Aktuelles | 17. Juni 2019

Exklusives Dozenteninterview: Mangelnde Offenheit und nicht existente Fehlerkultur großes Kreativitätshemmnis

Welche Methoden helfen dabei, neue Geschäftsideen zu entwickeln und wie lassen sie sich in der Praxis umsetzen? Lesen Sie in dem folgenden Interview die Vorschläge von Marlene Laumer, Dozentin für Ideenfindung und Kreativitätstechniken.

ene't cam­pus
Frau Lau­mer, Sie sind Dozen­tin im Teil­mo­dul Ent­wick­lung neu­er Geschäfts­mo­del­le: Ide­en­fin­dung und Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken“.

Die Ent­wick­lung neu­er Geschäfts­ide­en und ‑model­le ist doch nur etwas für Super-Krea­ti­ve, oder?

Lau­mer
Das kann man so nicht sagen. Jedes Unter­neh­men kann neue Geschäfts­ide­en ent­wi­ckeln – auch ohne Super-Krea­ti­ve“ an Bord zu haben, sofern denn die rich­ti­ge Umge­bung dafür geschaf­fen wird. Neben den rich­ti­gen Metho­den kommt es dabei auch auf Struk­tu­ren, Unter­neh­mens­kul­tur und vor allem auch die betei­lig­ten Köp­fe an. Manch­mal gibt es haus­in­tern gute Ide­en, die aber gar nicht erst ans Tages­licht kom­men. Eine man­geln­de Offen­heit oder eine nicht exis­ten­te Feh­ler­kul­tur stel­len ein gro­ßes Krea­ti­vi­täts­hemm­nis dar. Auch das Zusam­men­brin­gen der rich­ti­gen Leu­te ist ent­schei­dend. Cross-funk­tio­na­le Teams, die Men­schen mit unter­schied­li­chen Skill-Sets zusam­men­brin­gen, erzie­len erfah­rungs­ge­mäß beson­ders gute Ergeb­nis­se. Nicht min­der wich­tig ist es, die rich­ti­gen Füh­rungs­kräf­te ein­zu­set­zen, denn die­se fun­gie­ren als Moti­va­to­ren und Enabler. 

ene't cam­pus
Das klingt span­nend. Wel­che Metho­den und Tools hel­fen denn auch den weni­ger krea­ti­ven Köp­fen?

Lau­mer
Wich­tig ist zunächst eine struk­tu­rier­te Her­an­ge­hens­wei­se. Hier­für gibt es z. B. Metho­den wie Design Thin­king“ und Lean Start­up“, wel­che einen vor­ge­ge­be­nen Pro­zess für die Ent­wick­lung neu­er Geschäfts­ide­en haben. Bei­de beru­hen auf dem Prin­zip der agi­len Ent­wick­lung, bei der man sich Stück für Stück auf Basis von Feed­back – meist von poten­zi­el­len Kun­den – an die Lösung, hier eine neue Geschäfts­idee, her­an­tas­tet. So ist sicher­ge­stellt, dass nur Ide­en mit tat­säch­li­chem Kun­den­mehr­wert ent­wi­ckelt wer­den. Abge­se­hen davon ist auch die För­de­rung von Krea­ti­vi­tät wich­tig. Gute Ide­en lie­gen ja nicht offen her­um – dann wäre sicher­lich längst jemand ande­res dar­auf gekom­men. Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken hel­fen dabei, das berühm­te Thin­king out of the box“ zu errei­chen. Wei­ter­hin müs­sen aber auch gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rungs­im­pul­se früh­zei­tig erkannt wer­den. Hier­für kön­nen Metho­den der Markt- und Trend­be­ob­ach­tung ein­ge­setzt wer­den. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on ver­än­der­ter oder neu ent­ste­hen­der Kun­den­be­dürf­nis­se bzw. ‑anfor­de­run­gen ist in vie­len Fäl­len der Start­punkt neu­er Geschäftsideen. 

ene't cam­pus
Und wie auf­wen­dig ist es, die­se Tech­ni­ken in der Pra­xis ein­zu­set­zen?

Lau­mer
Das hängt von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab, z. B. wel­che Kom­pe­ten­zen und Struk­tu­ren im Unter­neh­men bereits vor­han­den sind. Prin­zi­pi­ell ist es immer mög­lich, auch kurz­fris­tig und mit ver­gleich­bar gerin­gem Res­sour­cen- und Kos­ten­auf­wand ein­zel­ne Tech­ni­ken in der Pra­xis ein­zu­set­zen. Auf­wän­di­ger wird es, wenn bei­spiels­wei­se eine eige­ne Inno­va­ti­ons­ein­heit auf­ge­baut wer­den soll, da hier­für zunächst die not­wen­di­gen Struk­tu­ren ange­legt und Res­sour­cen bereit­ge­stellt wer­den müs­sen. Wel­che Metho­den in wel­chem Umfang ein­ge­setzt wer­den soll­ten, hängt letzt­end­lich von den gesetz­ten Zie­len ab. Sel­bi­ges gilt für Struk­tu­ren und Ressourcen. 

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Und die Teil­neh­mer Ihres Wei­ter­bil­dungs­mo­duls neh­men dann vie­le tol­le neue Geschäfts­ide­en mit nach Hause?

Lau­mer
Ziel des Moduls ist es, die Teil­neh­mer mit einem Bau­kas­ten“ an Metho­den und Tools aus­zu­stat­ten, um sel­ber neue Geschäfts­ide­en ent­wi­ckeln zu kön­nen. Die Teil­neh­mer ler­nen, wel­che Metho­den wofür geeig­net sind – vor allem durch die viel­zäh­li­gen Pra­xis­pha­sen der Ver­an­stal­tung. Das Metho­den­spek­trum umfasst bewusst unter­schied­li­che Wege für die Ent­wick­lung neu­er Geschäfts­mo­del­le: Ange­fan­gen bei der Trend­for­schung, über Metho­den zur Sze­na­rio­ent­wick­lung, bis hin zu Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken wie Design Thin­king“ und Busi­ness Model Can­vas“. Dadurch wer­den die Teil­neh­mer in die Lage ver­setzt, bei ihren Vor­ha­ben der Geschäfts­mo­dell­ent­wick­lung zwi­schen den unter­schied­li­chen Metho­den abzu­wä­gen, z. B. in Bezug auf benö­tig­te Kom­pe­ten­zen, Kos­ten- und Zeit­auf­wand, aber auch hin­sicht­lich der Erfolgschancen. 

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